KONSERVIERUNG & RESTAURIERUNG VON OBJEKTEN AUS STEIN

Die Statuen des Schlossparks Schönbrunn

Die Vollkommenheit von antiken Statuen sah Johann Wilhelm Beyer sowohl in der idealen Nachahmung der Natur, als auch in der perfekten Verkörperung eines spezifischen Charakterzuges, die sich in der Erscheinungsform und den Attributen des Dargestellten zeigt. Ebenso gehörte die Darstellung von Göttern am Ausgang des Barocks zur gängigen Herrschersymbolik.
(Iby, E., Koller, A., Schönbrunn, Verlag Christian Brandstätter, Wien 2000, S. 228)
Nachdem die Figuren ursprünglich für die Gestaltung des "Grossen Parterres" und des Hügels geplant waren, erklärt sich, dass durch die Planänderung und der endgültigen Aufstellung kein einheitliches ikonographisches Konzept vorliegt.

Schadensbilder

Laut IBY lassen sich jedoch zwischen den einzelnen Figurengruppen inhaltliche Bezüge aufweisen: „So zum Beispiel zwischen Kaliope als Muse des Heldengedichtes und Amphion, dem Erfinder der Leier, welche die Musik miteinander verbindet Der Raub der Helena und die Flucht aus Troja markieren Anfang und Ende des Trojanischen Krieges, wobei die Flucht des Aeneas zudem als Ausdruck der Fürsorge und Pietät verstanden wurde. Die an den Kreuzungspunkten mit der Finsteren Allee stehenden Figuren könnten als die vier Haupttugenden einer Staatsmacht gedeutet werden, da Jason die Unternehmungslust, Aspasia die Klugheit, Fabius Cunctator die Bedachtsamkeit und Perseus die Kühnheit symbolisieren. Die Herrschaft des Friedens über den Krieg sollten wohl die Gruppen der Kriegsgötter Mars und Bellona mit den gegen den Krieg einlenkenden Göttern Minerva

und Janos symbolisieren. An der Kreuzung mit der Lindenallee lassen sich die Nymphen sowie die formal ähnlich gestalteten Priesterinnen mit ihren Opferkörben zu einer Gruppe zusammenfassen.“
(Iby, E., Koller, A., Schönbrunn, Verlag Christian Brandstätter, Wien 2000, S. 228)

Restauratorische Zielstellung

Durch die Kombination von mechanischer Trockenreinigung mit anschließender Heißdampfreinigung konnten aufliegende Flechtenreste sowie auch ein Teil der kleineren, zwischen den Korngrenzen an der Oberfläche sitzenden Organismen dezimiert werden. Die Algenfilme ließen sich mit der Heißdampfreinigung ebenfalls deutlich besser entfernen. Die ursprüngliche Farbigkeit des frisch bearbeiteten und polierten Marmors darf man sich nicht als reines Porzellanweiß, ähnlich eines Carrara Marmors, vorstellen, da der Sterzinger Marmor auf Grund seiner Grobkörnigkeit immer einen Grauton beibehält. Sämtliche korrodierte Eisenklammern müssen vorsichtig ausgebaut und durch adäquates Material ersetzt werden bevor es zu einer Neuversetzung der Figur kommt. Des Weiteren sind Festigungen in Bereichen mit Festigkeitsverlust auf Grund von Gefügeschäden durch offen stehende Korngrenzen und Rissbildungen sowie die Hinterfüllung von Schalen und Hohlräumen zur Vermeidung von weiteren Schäden unbedingt vonnöten.

Gefährdete Bereiche, wie einzeln ausgewitterte Kristalle oder Kantenbereiche von Ausbrüchen und Fehlstellen, sollen durch Anböschungen gesichert werden. In manchen Bereichen wird die Schließung konservatorisch problematischer Fehlstellen bereits eine gewisse formale Ergänzung erfordern. Allerdings wird der Auftrag von Sekundärmaterial so gering wie möglich gehalten werden, um keine unnötigen flächigen Überzüge des Gesteins zu provozieren. Eine besondere Problemstellung ergibt sich im Hinblick auf die Rekonstruktion von Fehlstellen. In Bezug auf die Gesamtsituation im Park bedeutet das eine äußerst differenzierte Betrachtungsweise der Fehlstellen. Eine Bewertung dieser im Sinne von Aussagekraft, ikonographischem Inhalt und Bedeutung für die Lesbarkeit muss stattfinden, um zu entscheiden, an welchen Skulpturen über eine rein konservatorische Behandlung der Ausbrüche hinaus ergänzt wird.
(Auszug aus der Dokumentation der Restaurierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Mag. Elisabeth Ghaffari)

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