KONSERVIERUNG & RESTAURIERUNG VON OBJEKTEN AUS STEIN

Muschelbrunnen im mittleren Parterre des Belvedere Garten
Historie

Das ehemalige Gartenpalais des Prinzen Eugen von Savoyen war seit 1697, vielleicht schon 1693 geplant, der Feldherr erwarb zu dieser Zeit Grundstücke am Rennweg, und auch mit der Anlage des Gartens wurde damals bereits begonnen.
Die Errichtung des Unteren- und nach diesem des Oberen Belvedere war jedoch erst nach dem Frieden von Rastatt am 6. 3. 1714 möglich, als sich die angespannte Finanzlage Österreichs etwas lockerte und Kaiser Karl VI. dem Prinzen die ihm zustehenden Dotationen aus vorausgegangenen Schlachten in Raten bis 1717 ausbezahlen konnte. Ab 1716 hatte er zusätzliche Einnahmen aus seiner Statthalterschaft in den österreichischen Niederlanden, und weitere Siege bei Schlachten führten zu neuen Dotationen. Prinz Eugen von Savoyen war damit einer der reichsten Bauherren des Reiches und daher in der Lage, die Errichtung des Unteren Belvedere in unglaublicher Schnelligkeit voranzutreiben.
1714 wurde mit dem Bau begonnen und da zwei Deckenfresken das Datum 1716 tragen, muss der Bau in diesem Jahr auch fertig geworden sein.
(Vgl. „Lexikon der Wiener Kunst und Kultur“, N. NEMETSCH und G. KUGLER, 1990, S. 42)
Allgemein muss erwähnt werden, dass sich die barocke Brunnenanlage zum Teil in einem sehr schlechten Zustand befand und deshalb einen dringenden Konservierungs- und Restaurierungsbedarf aufwies.

Maßnahmen

Insbesondere betroffen sind hier die ehemals wasserbespielten Bereiche: ein Großteil der Dekorflächen an der Brunnenrückenwand und die Sockeln der großen Figurengruppen, welche auch von der Unterseite einer ständigen Wasserbelastung ausgesetzt waren. Das Restaurierungskonzept gab vor, dass stark beschädigte und in der Form nicht mehr ablesbare Dekorfelder abgenommen und durch Kunststeinplatten ersetzt werden sollten, da diese Bereiche bei der künftigen Bespielung der Brunnenanlage ebenfalls wieder dem Wasser ausgesetzt sind.
Zu diesem Zweck wurden die Platten abgebaut, wobei die zwei am besten erhaltenen Felder als Vorlage für die Neuherstellung verwendet werden konnten. Vorerst mussten Fehlstellen mit einem mineralischen Mörtel ergänzt und dem Originalmaterial angepasst werden. Die Konservierung stand bei allen bildhauermäßig bearbeiteten Elementen wie Figuren, Putti, Vasen und Masken an erster Stelle. Um die Lesbarkeit der Objekte zu gewährleisten, wurden größere Fehlstellen aus Naturstein rekonstruiert.
In Absprache mit Auftraggeber und Bundesdenkmalamt wurde beschlossen, die ständig im Wasser befindlichen Sockelzonen der Muschelskulpturen – welche großteils nur mehr aus Naturstein- und Kunststeinergänzungen bestanden – mittels Silikonformen abzuformen und aus Kunststein zu gießen. Hierzu mussten die Unterteile abgenommen werden, wobei insbesondere darauf geachtet wurde, dass der Originalstein nicht beschädigt und dessen Bruchfläche in die Negativform miteinbezogen werden konnte. Von allen vier Sockeln wurden Negativformen aus Silikonkautschuk mit einem Gipsstützmantel hergestellt und anschließend alle Elemente mit Kunststeinmörtel gegossen. Sämtliche Objekte erhielten nach allen konservatorischen Schritten und dem Versetzen derselben eine Schlämme. Hierbei wurde durch das Bundesdenkmalamt für die wasserbespielten Bereiche eine Kalkschlämme vorgeschrieben, für alle anderen Objekte hingegen eine Silikonharzfarbe.
(Auszug aus der Dokumentation der Restaurierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Mag. Elisabeth Ghaffari)

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