KONSERVIERUNG & RESTAURIERUNG VON OBJEKTEN AUS STEIN

Brunnenanlage im oberen Belvedere- Garten

Das Obere Belvedere konnte erst begonnen werden, nachdem der Fürst Schwarzenberg dem Prinzen Eugen 1720 einen Teil seines Gartens abgetreten hatte. Noch im selben Jahr sind Fundamentierungsarbeiten belegt, und in dem unglaublich kurzen Zeitraum zwischen Frühjahr 1721 und Herbst 1722 wurde das Obere Belvedere errichtet.
Vgl. („Lexikon der Wiener Kunst und Kultur“, N. NEMETSCH und G. KUGLER, 1990, S. 44)

Schadensbilder

Eine Festigung der Objekte bei der letzten Restaurierung scheint zum Teil nur unzureichend oder unsachgemäß ausgeführt worden zu sein. Dies zeigt sich bei einigen Figuren der Brunnenanlagen in Form von partiell stark verdichteten Oberflächen, wobei sich hier an den Oberflächen Risse gebildet haben. In Bereichen, in welchen es bereits zu Abplatzungen der verdichteten Schichten gekommen ist, zeigt sich eine stark geschwächte Struktur des Gesteins, die sich in einem blätterteigartigen Aussehen äußert. Im Zuge dessen sind großflächige Oberflächenverluste festzustellen. Alle Brunnenanlagen weisen Ausbrüche und Fehlstellen in kleinerem und größerem Umfang auf. So zeigen vor allem die Figuren große Fehlstellen (vor allem Extremitäten), welche die formale Lesbarkeit reduzieren. Sämtliche Objekte weisen an den Oberflächen einen zum Teil sehr starken biogenen Befall auf. Dieser äußert sich einerseits in Form von dünner aufliegenden Schichten, partiell finden sich aber auch dicht wachsende Moose und höhere Pflanzen.

Maßnahmen

Da ein kompletter Abbau der Brunnengruppe 05 und Wiederversetzen derselben im Restaurierungskonzept nicht vorgesehen war, wurde mit Auftraggeber und Bundesdenkmalamt beschlossen, die grob beschädigten Bereiche bildhauerisch zu überarbeiten und sie so dem Originalbestand anzupassen. Hierbei wurde insbesondere darauf geachtet, dass das Originalmaterial erhalten bleibt und nur ästhetisch unbefriedigende Ergänzungen bearbeitet und angepasst wurden. Die Bearbeitung erfolgte mittels Hammer und Meißel, als auch mit pneumatischem Werkzeug. Nach einer Vorfestigung und vorsichtigen Trockenreinigung wurden sämtliche Versetzfugen mechanisch mit Hammer und Meißel geöffnet. Die Plastiken 02 und 03 wurden mit Hilfe eines Teleskopstaplers abgebaut und in die Hallen der Firma geführt.

Lose oder absturzgefährdete Bruchstücke wurden vorsichtig abgenommen und sowohl fotografisch als auch graphisch dokumentiert, um sie für die später zu erfolgende Verklebung vorzubereiten. Sämtliche korrodierte Armierungen und Klammern wurden vorsichtig mit feinen Bohrern oder mechanisch mit Hammer und Meißel ausgebaut. Hierbei zeigte sich, dass zum Teil Eisenarmierungen enormen Ausmaßes mit zusätzlich eingebauten Eisenkeilen eingesetzt waren, welche eine große Spannung auf das umliegende Gestein ausübten. Die Folge sind durchgehende Risssysteme bei allen Pferdebeinen sowie ein durchgehender Riss an einem Putto. Als besonders problematisch zeigten sich vor allem alle Beine der Pferde. Auf Grund von gebogenen Eisenarmierungen wurde die zumeist sehr geringe Steinmasse großteils gesprengt. Bei den besonders fragilen Beinen der Meerespferde wurde in Absprache mit BDA und Auftraggeber beschlossen, dass hier speziell geformte Nirostaarmierungen (als Vorlage diente die originale Form der Eisenarmierung) zur Stabilität eingebaut werden sollten.

Sämtliche Ergänzungsmaterialien, welche keine Anbindung zum Naturstein aufwiesen bzw. ein ästhetisch unbefriedigendes Bild zeigten, wurden vorsichtig mittels Hammer und Meißel sowie pneumatischem Feinwerkzeug entfernt. Bei Fehlstellen mit einem Ausmaß von mehr als 5 x 5 cm wurden für die Herstellung von Natursteinergänzungen vorerst Modellvorlagen aus Ton oder Gips angefertigt. Für die Anpassung an den Originalzustand der Figuren dienten historische Fotografien. Kleinere Fehlstellen wurden mit dem Naturstein angepassten Kunststeinmörteln ergänzt.
(Auszug aus der Dokumentation der Restaurierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Mag. Elisabeth Ghaffari)

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