KONSERVIERUNG & RESTAURIERUNG VON OBJEKTEN AUS STEIN

Natursteinrestaurierung des Neutors in Salzburg

Das Salzburger Neutor hat zwei Hauptansichten, im Folgenden Westportal und Ostportal genannt. Während das Ostportal der Salzburger Innenstadt zugewandt ist, zeigt das Westportal stadtauswärts. Die architektonische Gliederung der Fassaden wurde direkt aus dem Konglomeratgestein des Mönchsberges geschlagen und dann mit Aufbauten aus Untersberger Kalkstein (Forellenmarmor), im Folgenden Untersberger genannt, verziert.

Die Materialsichtigkeit der beiden unterschiedlichen Gesteinsvarietäten ist das strukturierende Gestaltungselement am Neutor. Die Kombination aus den beiden lokalen Gesteinen, dem edleren, polierfähigen Kalk- stein und dem Konglomerat ist in Salzburg und Umgebung weit verbreitet.

Im Bereich des Westportals wurde bereits bauzeitlich ein großer Teil des Felsens durch Quadermauerwerk ersetzt oder erweitert. Hier wurden Quader aus Konglomeratgestein verwendet um die Form der Felswand zu komplettieren, ebenso wie einen Teil des südlichen Obelisken.

Maßnahmen

Ziel der Reinigung war es, die verwendeten Materialien Konglomeratgestein und Untersberger Kalkstein (Forellenmarmor), optisch wieder deutlich unterscheidbar und damit die Materialhirachie und die Strukturierung der Fassaden wieder erkennbar zu machen ohne dabei den Alterswert der Oberflächen zu zerstören. Konservatorisch stellt die Verschmutzung der Steinoberfläche durch lose Staubauflagen und dunkle Sinterkrusten kaum ein Problem dar.

Nur am Ostportal, an den Medusenköpfen kam es erkennbar zu kleineren thermischen Abplatzungen. Entfernung hohlliegender Ergänzungsmörtel Durch einen sehr hohen Zementanteil sind die Sekundärmaterialien signifikant härter als der sie umgebende Naturstein, was teilweise zu massiven strukturellen Schäden im Gefüge des Konglomerates geführt hat. In vielen Bereichen kam es zum Abplatzen der Zementer- gänzungen oder zu einem Anbindungsverlust, sowohl bei Ergänzungen als auch bei Fugenmaterial.

Wurzelstöcke und Pflanzen höherer Ordnung wurden händisch bzw. mechanisch von den Natursteinoberflächen entfernt. In Bereichen, in denen Algen, Flechten und Moose vorhanden waren, wurde die Oberfläche nach der mechanischen Reinigung mit einem Biozid (Anti-grün, Fa. Akemi) behandelt. Nach einmaligem Fluten mit dem Biozid.
Eine Festigung wurde nur an Bauteilen aus Untersberger Kalkstein ausgeführt. An den Bereichen, die einen Bindungsverlust in den obersten Kornlagen (Abzuckern) aufwiesen, wurde eine Festigung mit Paraloid B72 durchgeführt. Nach der Reinigung und Freilegung wurde deutlich, dass einige Quader im Bereich des Quadermauerwerks am Westportal strukturell stark angegriffen waren und der Verbund zum Mauerwerk teilweise nicht mehr gegeben war. Um die Stabilität des Mauerwerks zu gewährleisten, wurden Verankerungen mit NIRO-Bewehrungsstäben (15mm) an den gefährdeten Bereichen gesetzt.

Am Kopf des hl.Sigismund wurden nach Abnahme der hohlliegenden Ergänzungen Armierungen, schadhafte Armierungen und Schäden im Kalkstein durch Korrosion der Armierungen erkennbar. Zwei Bruchstücke mussten neu am Kopf verklebt werden. Die Klebung wurde mit Glasfaserstiften armiert und zusätzlich mit Nirostastangen verklammert.
(Auszug aus der Dokumentation der Restaurierungsmaßnahmen und chemischen Analysen in Zusammenarbeit mit Dr. Anna Bieniok, FB Materialforschung & Physik Universität Salzburg)

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